Das Phänomen Selfstorage im wissenschaftlichen Fokus

Wien, 3. Dezember 2012 - Mit der Bedeutung von Raum und Platz für die moderne Gesellschaft beschäftigt sich mittlerweile die Forschung verschiedener wissenschaftlicher Fachrichtungen. Nach der Magisterarbeit von der Soziologin Carmen Keckeis am Soziologieinstitut der Uni Wien zum Thema „Untersuchung des Bedarfs an Stauraum anhand der dynamischen Wechselwirkung Individuen-Räume-Objekte“, legte nun Petra Beck ihre Magisterarbeit mit dem Titel „Restopia – Selfstorage als urbane Praxis“ am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität zu Berlin bei Professor Wolfgang Kaschuba vor. Sie untersuchte das Phänomen Selfstorage im Rahmen einer kulturhistorischen Betrachtung und betrieb umfassende Feldforschung unter Mitarbeitern und Mietern von 14 Lagerhäusern verschiedener Anbieter in Berlin und München.

 

Flexibilität und Mobilität der urbanen Gesellschaft

Hatte Carmen Keckeis schon festgestellt, dass Stauraum in Österreich beim Bau von Wohnungen und dann bei der Wohnungssuche unzureichend berücksichtigt wird, identifiziert Petra Beck das Phänomen Selfstorage in Deutschland ebenfalls als rein urbane Praxis. Gründe hierfür sind vorrangig steigende Mietpreise in den Metropolen, fehlender Stauraum wegen feuchter Kellerräume und nicht zuletzt die Sammlung und Anhäufung von mehr Besitztümern als je zuvor. Besondere Bedeutung für den zunehmenden Bedarf an Selfstorage-Angeboten hat aber auch die wachsende Mobilität der Bevölkerung in allen Lebensbereichen. Häufige Wohnungs- und Arbeitsplatzwechsel zählen ebenso hierzu wie hohe Trennungs- und Scheidungsraten. All das trägt maßgeblich zum flexiblen Umgang mit Wohn-, Lager- und Lebensraum der urbanen Gesellschaft bei.

 

Aufheben oder Wegwerfen? Lagerraum und Persönlichkeit

Petra Beck erschließt das Selfstorage-Prinzip als ökonomisches, infrastrukturelles System und beleuchtet gleichzeitig vor allem den Umgang der Mieter mit ihren Dingen. Im Zentrum des Interesses bei der persönlichen Begegnung mit den Selfstorage-Nutzern steht die Entwicklung der Beziehung zwischen dem Mieter, den Dingen, die er einlagert und „seinem“ Raum. Denn der Mieter füllt den anonymen Lagerraum über einen bestimmten Zeitraum mit persönlichen Gegenständen und füllt ihn so mit seiner Persönlichkeit, macht ihn sich dadurch zu Eigen. Besondere Aufmerksamkeit erfährt dabei die Betrachtung der Selektionsprozesse der Dinge, die eben nicht weggeworfen, sondern aufgehoben und eingelagert werden. Die österreichische Soziologie Keckeis war in ihrer Arbeit zum Schluss gekommen, dass für die Befragten ein Lagerraum eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Lebensqualität spielt – der Lagerraum wird zu einem wichtigen Teil der Wohnsituation“.

 

Blogprojekt Platzprofessor

Über die Betreuung der Arbeit hinaus will Professor Wolfgang Kaschuba die Studierenden des Instituts für Europäische Ethnologie weiterhin für die Themen „Platz“ und „Raum“ sensibilisieren. Er bietet deshalb seit letztem Sommersemester Seminare zum Thema „Raumnutzung“ an. Die Ergebnisse der verschiedenen wissenschaftlichen Auseinandersetzungen mit dem Thema werden nach und nach auf dem Blog „Platzprofessor“ (http://platzprofessor.myplace.eu/) veröffentlicht. Der Blog entstand 2011 aus einer Kooperation des Instituts mit dem Lagerraumanbieter MyPlace-Selfstorage und dient interessierten (Nachwuchs-) WissenschaftlerInnen und Nicht-WissenschaftlerInnen als Forum für die interdisziplinäre Auseinandersetzung mit dem Thema „Platz“ und „Raum“. Auch Studierenden, Absolventen oder Lehrstühlen anderer Universitäten bietet MyPlace-Selfstorage Unterstützung an, wenn Seminar- oder Abschlussarbeiten zum Thema „Raum“ und „Platz“ geplant werden. Interessenten können sich gerne an Alexia Gerhardus (alexia.gerhardus@myplace.eu) wenden.

Weitere Informationen finden Sie auf: platzprofessor.myplace.eu und www.myplace.at