Grundlagenstudie am Soziologieinstitut der Uni Wien untersucht das Phänomen SelfStorage

Stauraum wird beim Bau von Wohnungen und dann bei der Wohnungssuche unzureichend berücksichtigt! 
Wien, 2. Mai 2011 - In ihrer Arbeit zur „Untersuchung des Bedarfs an Stauraum anhand der dynamischen Wechselwirkung Individuen-Räume-Objekte“ konzentriert sich die Autorin und Soziologin, Carmen Keckeis, auf die Dienstleistung SelfStorage als urbanes Phänomen und stellt fest, dass dem Bedürfnis nach ausreichend, individuell nutzbarem Stau- und Lagerraum zu wenig entsprochen wird, was die große Nachfrage nach dieser Dienstleistung reflektiert. Ein vorhandener Stau- und Lagerraum wurde oder wird beim Bau von Wohnungen und dann bei der Wohnungssuche häufig nur marginal berücksichtigt. Obwohl sie in ihrer Zusammenfassung zu der Erkenntnis kommt, „dass für die Befragten ein Lagerraum eine bedeutende Rolle hinsichtlich der Lebensqualität spielt – der Lagerraum wird zu einem wichtigen Teil der Wohnsituation“.

Das Aufkommen des Phänomens SelfStorage erklärt Keckeis mit folgenden drei Trends:

- Durch die Vielfalt neuer Familien- und Haushaltsformen sind die Wohnkonzepte aus den vergangenen Jahrzehnten, mit denen viele Akteure auf dem Wohnungsmarkt immer noch operieren, nicht mehr an die Anforderungen und Bedürfnisse etlicher Bewohner angepasst.

- Die steigende Mobilität hat wiederum „neue“ Wohntypen zur Folge und wirkt sich auf einen veränderten Bedarf an Wohn- und Stauraum aus.

- Durch die Kulturalisierung und Stilisierung der Lebensführung spielen private Besitztümer vor allem in Bezug auf Präsentation und Inszenierung von sich selbst und der Wohnung eine wichtiger werdende Rolle. Die eigene Identität wird durch den Konsum von Gütern und deren Besitz gefestigt. Somit kann man sich von vielen persönlichen Gütern nicht trennen, was zu einer Anhäufung persönlicher Besitztümer bzw. einer verstärkten Beziehung zu Ihnen und damit zu einem Bedarf an zusätzlichem Stauraum führt. 

Neben teilnehmenden Beobachtungen an drei Standorten des größten privaten Lagerraumvermieters im deutschen Sprachraum, „MyPlace-SelfStorage“ in Wien, führte Keckeis im Rahmen ihrer Forschungsarbeit auch qualitative, problemzentrierte Interviews mit 16 aktuellen oder ehemaligen Kunden von „MyPlace-SelfStorage“ über die Gründe der Anmietung eines Lagerraums, ihre damalige und aktuelle Wohn- und Lebenssituation, sowie zu den Themen Wohnen, Wohnmobilität, Wohnkultur und die persönliche Bedeutung der Objekte im Lagerraum. Darüber hinaus wurden Leitfadeninterviews mit 5 Angestellten und mit dem geschäftsführenden Gesellschafter von „MyPlace-SelfStorage“, sowie auch mit einer Sozialarbeiterin im Bereich der Wohnungslosenhilfe geführt.

Die Ergebnisse dieser Interviews, Beobachtungen und die Lektüre einschlägiger Literatur ergaben, dass das Auslagern von Objekten im dynamischen Wechselverhältnis der drei Faktoren Individuen – Räume – Objekte erfolgt. Vor dem Hintergrund dieses Zusammenspiels von Menschen, Lebensräumen und Besitztümer hebt die Autorin der Diplomarbeit zusammenfassend hervor, dass die statischen Grundrisse von Wohnungen häufig nicht den Anforderungen ihrer Bewohner entsprechen und auch nicht variabel und flexibel sind, was eine Anpassungen an veränderte Lebenssituationen innerhalb der gleichbleibenden Wohnung schwierig macht. Im Gegensatz zu einem Lagerraum, der maßgeschneidert nach dem individuellen Bedarf angemietet werden kann.

Keckeis stellt demnach drei Gründe fest, warum ein Lagerraum einen positiven Einfluss auf die Wohn- und damit auf die Lebensqualität hat:

Platzbeschaffung innerhalb der Wohnung;

Vermeidung von Umzug: gewohnte Umgebung und soziales Umfeld müssen nicht verlassen werden;

Möglichkeit Dinge zu behalten, von denen man sich nicht trennen will, da sie für einen wichtig sind, die eigene Vergangenheit spiegeln oder Teil der Identität sind. 

Carmen Keckeis weist in Ihrer Arbeit darauf hin, dass bisher noch keine Studien oder Forschungen über das Phänomen „SelfStorage“ bzw. die Themenbereiche „Platzmangel in der aktuellen Wohnsituation“ und „Bedarf an zusätzlichem Stau- und Lagerraum“ und die damit verbundenen gesellschaftlichen, soziodemographischen und wohnpolitischen Entwicklungen durchgeführt wurden. Sie sieht ihre Diplomarbeit somit als Grundlagenstudie, anhand derer wichtige Trends herausgefiltert wurden und in weiteren Studien, jeweils im Hinblick auf die Problematik Platzmangel und veränderte Verfügbarkeit von Platz, u.a. mit folgenden Schwerpunkten vertieft untersucht werden sollen:

- „Chancen und Risiken eines Lagerraumes: nachhaltiges Denken vs. zwanghaftes Sammeln von Dingen und dem Unvermögen sich von ihnen zu trennen (Stichwort: Messie-Syndrom)?“

- „Luxusgut Lagerraum?“: Ist ein Lagerraum ein „Luxusgut“, ein Zeichen für den zunehmenden Wohlstand industrialisierter Länder und somit ein Phänomen der Wohlstandsgesellschaft? Seit wann gibt es dieses Bedürfnis nach mehr Stau- und Lagerraum, wie hat es sich verändert, was sind die Ursachen?

- „Wohnbedürfnisse und Wohnwünsche“: Wandel der Wohnbedürfnisse und Wohnwünsche in den letzten Jahrzehnten sowie innerhalb der eigenen Wohnkarriere

Um den begonnenen wissenschaftlichen Prozess auch weiterhin zu stimulieren, hat sich die Unternehmensführung von „MyPlace-SelfStorage“ dazu bekannt auch in Zukunft Forschungsprojekte in diesem Bereich zu unterstützen und freut sich, dass derzeit auch in Deutschland, am Institut für Ethnologie der Universität Berlin, an einer Diplomarbeit zum Phänomen SelfStorage gearbeitet wird bzw. dass am Institut für Empirische Kulturwissenschaft der Universität Thübingen soeben eine Diplomarbeit zum Thema „Speicherkonzepte in einer mobilen Gesellschaft“ vergeben wurde.

Die Autorin der Diplomarbeit, Carmen Keckeis, steht Ihnen unter carmen.keckeis@univie.ac.at für Rückfragen zur Verfügung.